12. SONNTAG IM JAHRESKREIS

23. Juni 2013

Evangelium mach Lukas (9,18-24)

Gedanken zum Evangelium

„Wer bin ich für dich?“ Das ist eine schwierige Frage. Es ist bemerkenswert, dass wir gerade von dem Menschen, den wir lieben, am wenigsten aussagen können, wie er ist. Wir wissen viel über ihn, aber der Fragende will nicht erfahren, was wir über ihn wissen. Die Frage geht viel tiefer: „Was bedeute ich dir?“

Gerade das fragt Jesus Sie und mich. Er will nicht wissen, was man so alles über ihn sagt, wie bei einer Umfrage. Es geht nicht darum, dass ich eine Antwort gebe, die ich schon irgendwo einmal gehört habe. Es ist ja leicht, zu sagen: „Du bist ein Vorbild. Du bist ein Friedensstifter, Menschenfreund, Sozialreformer, Heiler, Sohn Gottes.“ Diese Antworten kommen vom Verstand, berühren nicht unbedingt das Herz.

Ich lese da gerade ein Buch, mit dem Titel: „Gegen die Verharmlosung Jesu.“ Wir sind Kinder unserer Zeit und sind durch die Leitbilder, die Ideen und durch die sich wandelnden Werte unserer Gesellschaft viel stärker geprägt als wir überhaupt ahnen oder wahrhaben wollen. Wir denken über Besitz, Gerechtigkeit, den Wert vom menschlichen Leben (vor und nach der Geburt), über Fremdenund im Leben Gescheiterte oft genauso wie alle um uns herum, und vergessen, dass Jesus gesagt hat: „Bei euch soll es nicht so sein!“

Wir lassen uns mitreißen von der Wellness-Mode, reden nur über lustvolle Selbstfindung, rufen „Bleib, wie du bist“. Aber Jesus sagt: „Werde anders! Kehre um!“ Wir zitieren die Worte von Jesus „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst“, aber unsere ganze Aufmerksamkeit gilt der Selbstliebe. Psychologen und Psychiater reden uns ein, dass wir zuerst uns selbst lieben sollen, denn sonst kann man die anderen nicht lieben. Aber wir merken nicht, dass wir nur um uns selbst kreisen.

Wir verharmlosen Jesus und seine großen Forderungen. Wer zu mir gehören will, muss oft seine ganz individuellen Wünsche und Neigungen zurückstellen, also täglich sein Kreuz auf sich nehmen um im Sinne Jesu zu leben: für das Reich Gottes, hier und jetzt. Wer nur um sich selbst kreist, nur um die Erfüllung seiner eigenen, individuellen Bedürfnisse, nur um sein eigenes Leben ängstlich besorgt ist, wird es verlieren!

Unser Christsein, unser Leben in Verbindung mit Jesus Christus, ist keine Spielerei! Dass wir uns auf den Weg mit Jesus machen und zu „Agenten des Reiches Gottes“ werden, das kann mitunter steinig und hart sein. „Wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, gerade der wird es retten.“

„Was bedeute ich dir?“ Diese Frage von Jesus ist sehr persönlich: Welchen Platz habe ich in deinem Herzen? Bin ich dir so wichtig, dass du dich wirklich mit mir einlässt, dich grundsätzlich für mich, meinen Lebensweg, meine Lebensideale entscheidest? Bin ich dir so wichtig, dass du dich immer wieder für das Reich Gottes hier und jetzt einsetzen willst?

In der ersten Lesung nennt Paulus das „Christus wie ein Gewand anziehen“, d.h. das eigene Leben von ihm bestimmen lassen, sich von ihm tiefgreifend verwandeln lassen, ohne die eigene Identität zu verlieren. Wir müssen unsere ganz persönliche Antwort auf Jesus finden und dieser nicht ausweichen.

Lothar Zenetti, ein moderner, Dichter formuliert es so: „Wer Jesus für mich ist? Einer, der für mich ist. Was ich von Jesus halte? Dass er mich hält.“ Nur mit dieser Grundeinstellung Jesus gegenüber, nur mit dieser Glaubenshaltung, leben wir christlich, sind wir Anhänger, Freunde von Jesus Christus.

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